Wolf Maahn

Solo-Tour 2005

28.04.2005 Gloria Theater / Köln

Von: Thomas Kröll

Wolf Maahn Köln

Das Kölner Gloria ist wirklich schnuckelig. Klein und gemütlich. Versprüht noch so etwas wie den heimeligen Charme der späten Siebziger. Genau die richtige Location für ein Wolf Maahn-Konzert. Es wird an diesem Abend dann auch fast zu einem „Familientreffen“. JJ und Sarah von Rock`n`Roll-Musik sind da (und helfen mir dankenswerterweise mit Schreibgerät aus) oder der Kollege Jörg Haberland mit seiner netten Frau Vera (schöne Grüsse von Jürgen!).

Normalerweise bietet das Gloria vielleicht 700 Leuten Platz, wenn nicht bestuhlt ist. Heute ist bestuhlt und es sind geschätzt 400, die für Wolf Maahn gekommen sind. Wolf Maahn solo und unplugged um genau zu sein. Fünf Akkustikgitarren und ein Barhocker auf der Bühne lassen dann auch auf einiges hoffen.

Dass ich Wolf Maahn zum ersten und bisher einzigen Mal live gesehen habe, ist schon eine halbe Ewigkeit her. Das war 1985 in Bochum auf einem dieser dazumal populären Deutschrock-Festivals. Zusammen mit Grönemeyer und Westernhagen (der damals noch Marius Müller hieß...). Während der eine mittlerweile in London lebt, ist der andere im sinnfreien Snobismus versackt. Wolf Maahn ist auch nach 20 Jahren immer noch Wolf Maahn. Und das ist gut und schön so, wie der heutige Abend zeigen soll!

Um kurz nach Acht schlendert er endlich relaxt und ganz in Schwarz gewandet auf die Bühne, grüsst kurz und legt mit „Treibsand“ los. Es folgt „Wenn der Regen kommt“. Der Sound stimmt, das sparsam (aber wirkungsvoll) eingesetzte Licht und dezente Nebelschwaden aus der Maschine erzeugen eine intime Atmosphäre. Wolf Maahn genießt die ungeteilte Aufmerksamkeit sichtlich und wird langsam redselig.

Über das von den Kölnern natürlich abgefeierte „Hallo Sehnsucht“ (heute zum ersten Mal im Tourprogramm) und „Karussell“ (mit Mundharmonika) geht es weiter zu „Durch alle Zeiten“. Maahn erzählt, wie er früher im Schulunterricht vor Langeweile immer auf dem Tisch getrommelt hat, bis ihn die ganze Klasse anstarrte. Die Rolle nehmen heute seine Fans ein, die den Rhythmus klatschend aufnehmen. Wolf Maahn stimmt derweil seine Gitarre.

Überhaupt kommt er rüber wie jemand, der gerade sein erstes Konzert spielt, so zappelig und kaugummikauend er da sitzt. Auch das Schweißtuch kommt nun vermehrt zum Einsatz. Nach „Wenn du jetzt gehst“ (aka „Der Maahn hat den Blues“) und „Selbstrespekt“ erinnert Maahn rein frisurentechnisch dann auch ein wenig an Jango Edwards.

Vor „Total verliebt in dich“ (geil!) berichtet Jango Maahn, äh... Wolf Edwards dazu passend von den verrückten Sachen, die man auf einer Tour so erlebt. Zum Beispiel Windhosen über Bergisch-Gladbach. Er geht auf die Knie und huldigt mit ausgebreiteten Armen dem Rock`n Roll. Auf „Vorstadtmädchen“ folgt mit „Fieber“ dann auch ein standesgemäßer Rocker.

Und die nächste Geschichte. Darin geht es um eine Küchenrolle von Zewa. Maahn hat letztlich in seiner Küche eine davon mit dem Logo von Bob Marley entdeckt („Ich wische meinen Kaffee mit Bob Marley weg.“). Vor lauter Empörung verschluckt er sich an seinem Kaugummi und lässt zum Beweis das gute Tuch im Saal verteilen.

Danach wieder Musik, aber nur kurz. Mit „Direkt ins Blut“ (vom Publikum gesungen) verabschiedet er sich unter tosendem Beifall in die Pause.

15 Minuten später lässt er die musikalischen Funken weiter sprühen: „“Rosen im Asphalt“, „Irgendwo in Deutschland“, „Ich wart auf dich“ (mit einem der genialsten Texte überhaupt). Bei „Kathedralen von Zahlen“ (vom aktuellen „Zauberstrassen“-Album) zeigt Wolf Maahn, was man mit einer Gitarre klanglich so alles anstellen kann. Die Leute sind jetzt zu Recht aus dem Häuschen. Dann „Seltsamer Tag“ und „Deine Küsse“.

Den Griff in die Kiste mit den Coverversionen kann sich aber auch ein Wolf Maahn nicht verkneifen, zeigt mit „Help“ von den Beatles aber einen treffsicheren Geschmack. Aus „Blinder Passagier“ wird zwischendurch sogar „Knockin` on heavens door“ (nein, liebe Kinder, das ist nicht von Guns`n`Roses), bevor es in die nächste Pause geht. Wir werden alle nicht jünger...

Stürmisch gefordert von „Direkt ins Blut“-Sprechchören lässt sich Maahn nicht lange bitten und gibt „Der Abend geht vorbei“ zum Besten. Leider ist dem wohl so. Mit „Kleine Helden“ bekomme ich aber zumindest noch meinen ganz persönlichen Erinnerung-tut-manchmal-weh-Song ab. Früher, wenn mir auf dem Schulhof mal wieder meine Panini-Sammelbilder abgezogen worden waren, hatte ich immer genau dieses Lied im Ohr. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich trotzdem geweint...

Dazu besteht heute allerdings kein Grund. Im Gegenteil! Das Gloria ist restlos begeistert. Und? Er kommt nochmal! Nochmaahn! Mit „Zauberblick“ und dem Hammer „Freie Welt“ ist dann aber endgültig Schluss. Nach zwei Stunden und 23 Songs wird Wolf Maahn mit stehenden Ovationen verabschiedet!

Das wohlgemerkt bei einem Kartenpreis von regulär 18,50 €! Fällt euch was auf? Dafür gab es ein sehr schönes Konzert mit einem symphatisch-authentischen Wolf Maahn. Vollbedienung nennt man sowas und nicht halbherzige Massenabfertigung vermeintlich erstklassiger Rockgrössen.

Ich für meinen Teil werde jetzt jedenfalls noch eine Zigarette rauchen, um dann müde und zufrieden... ihr wisst schon!

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