Vereinigte Staaten Tour 2010
"Gib mir das Fieber zurück, das alte Fieber zurück, ich brauch das Fieber zurück", sang Wolf Maahn schon 1984. Zur Zeit ist der (Wahl-)Kölner mit seinem aktuellen Album "Vereinigte Staaten" auf Tour und er hat es wieder dabei... dieses besondere Wolf Maahn-Fieber. So auch heute Abend in Bonn. Als ich in der Harmonie - einer gemütlichen Mischung aus Kneipe (vorne), Restaurant (Mitte) und Konzertsaal (hinten) - ankomme, läuft gerade ein Song von Alice In Chains. Das fängt ja prima an. Draußen regnet es Bindfäden, aber da ich wegen eines Interview-Termines früh dran bin, erspare ich mir zumindest die ansonsten rund um die Harmonie übliche Parkplatzsuche.
Beim Interview erfahre ich unter anderem, dass irgendwas mit dem Catering schiefgelaufen ist und das Essen für Musiker und Crew erst mit Verspätung eintrudelt. Trotzdem stehen Wolf Maahn und Band pünktlich um 20 Uhr auf der Bühne. Die Harmonie ist proppevoll. "Lasst euch gehn", ruft Wolf Maahn und das soll zum Motto der folgenden zweieinhalb Stunden werden. Intensiven zweieinhalb Stunden! Mit den ersten drei Stücken des neuen Albums - "Unter einem großen Himmel", "Kannst du sehen" und "Vereinigte Staaten" - startet das Quintett in eine Show, die auch einige Klassiker bereithalten wird. Der Sound ist schön ausgewogen und klar und bei "Kind der Sterne" zeigt Gitarrist Roger Schaffrath zum ersten und nicht zum einzigen Mal sein beeindruckendes Können. Neben ihm wird Wolf Maahn noch von Volker Vaessen am Bass, Oliver Jäger am Keyboard sowie von Schlagzeuger Christoph Kähler begleitet.
Es folgt das beste Wolf Maahn-Konzert, das ich persönlich bislang gesehen habe (und ich habe nicht wenige gesehen...). Maahn und Band sind in blendender Spiellaune und die Fans sorgen zusätzlich für prächtige Stimmung. Zu "Rebellion" dirigiert er den Publikumschor, der noch einige Male zum Einsatz kommen soll. Als während "Stunde um Stunde" eine Saite seiner Gitarre reißt, überspielt er das nonchalant. Maahn versinkt zeitweise förmlich in der Musik, hüpft auf einem Bein über die Bühne, fächelt sich und den Fans mit einem Handtuch Luft zu und erzählt gewohnt viele Geschichten zwischen den Stücken. Mal wird über den roten Deckel seiner Wasserflasche philosophiert, dann "enthüllt" er, dass "210" schon verschiedenen Kölner Karnevalsbands angeboten wurde, diese den Song aber alle ablehnten. Also musste er ihn selbst aufnehmen und gibt das Stück tatsächlich in einer "Karnevalsversion" zum Besten. In der Harmonie wird getanzt, gesungen und gefeiert. Natürlich fehlt auch das eingangs erwähnte "Fieber" nicht. Weitere Höhepunkte sind das wunderbare "Ich wart auf dich", ein Song, der mich immer (!) an eine verflossene Freundin erinnert oder "Rosen im Asphalt", welches das reguläre Set beschließt.
Die Fans verleihen ihrer Begeisterung mit minutenlangen "Direkt ins Blut"-Sprechchören Ausdruck. Zur Zugabe kommt Wolf Maahn erstmal alleine mit seiner Akustikgitarre auf die Bühne und lässt die Leute über den nächsten Song abstimmen. Es gewinnt "Irgendwo in Deutschland", das er unplugged spielt. Es folgt "Wenn der Regen kommt", zu dem auch die restliche Band zurückkehrt. Die Fans übernehmen den Gesangspart, aus dem dann erst "No Woman, No Cry" von Bob Marley und anschließend "Direkt ins Blut" wird. Wolf Maahn teilt den Harmonie-Chor in Männlein und Weiblein sowie "Vor der Bühne" und "Seitlich der Bühne". Es funktioniert und spätestens jetzt ist einfach nur noch Party angesagt.
Doch auch die schönste Party neigt sich irgendwann ihrem Ende entgegen. Der zweite Zugabenblock hält noch "Sucht der Träumer" bereit, zu dem Musiker und Fans ein letztes Mal amtlich abrocken und das gänsehautintensive "Wunder dieser Zeit". Wolf Maahn und seine Band verneigen sich tief vor Bonn und Bonn verneigt sich ebenso tief vor ihnen. Obwohl inzwischen auch schon 55 Jahre alt, ist es immer wieder erstaunlich, wieviel Rock`n Roll-Attitüde Maahn noch zu versprühen vermag, gepaart mit Tiefsinn und jeder Menge Spass. Es ist mit ihm fast so wie mit einem guten Wein. Je älter, desto besser! Als ich später zu meinem Auto gehe, hat selbst der Himmel aufgehört zu weinen und ich bin sicher, dass stattdessen die Sonne scheinen würde, wäre es nicht schon Mitternacht.
Setlist:
Unter einem großen Himmel
Kannst du sehen
Vereinigte Staaten
Flucht nach vorn
Dein Gang
Kind der Sterne
Rebellion
Im Lauf der Zeit
Stunde um Stunde
Wir wissen es
Fieber
Am heutigen Morgen
Das Ding
Non Stop Superflat Popup Internetshow
Ich wart auf dich
210
Selbstrespekt
Zeichen
Rosen im Asphalt
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Irgendwo in Deutschland
Wenn der Regen kommt
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Sucht der Träumer
Wunder dieser Zeit