Xavier Rudd

Tour 2007 / Support: Lena Anderssen

09.09.2007 Nachtleben / Frankfurt/Main

Von: Sascha Knapek

Xavier Rudd Frankfurt/Main

Xavier Rudd mag Deutschland. Der surfende Hippie tourt im September des Jahres 2007 zum fünften Mal durch unser Land und hat sich mittlerweile ein ansehnliches Following erspielt. Das Außergewöhnliche daran? Die fünf Tourneen fanden in einem Zeitraum von nur 22 Monaten statt und das Following entstand fast ausschließlich durch Mundpropaganda und Livepräsenz. An diesem Sonntag ist er zum ersten Mal in der Mainmetropole Frankfurt zu Gast. Der Club in dem der blonde Struwwelpeter aus Australien auftritt – das Nachtleben – ist ausverkauft und wird im Laufe des Abends sprichwörtlich kochen.

Aber eins nach dem Anderen. Bereits in der Einlassschlange prangt ein weißer Zettel auf dem mit schwarzen Lettern „XAVIER RUDD IST AUSVERKAUFT“ steht. Nicht wenige treten jetzt schon wieder den Heimweg an, denn Abendkasse is’ nich. Vom Mann hinterm Soundboard erfahren wir später, dass sie wegen der großen Nachfrage sogar den Merchandising-Stand nach oben ins Cafe verlegt haben, „der bringt noch mal gut 30 Plätze hier unten“. Auf die Frage wie viele denn überhaupt ins Nachtleben reingehen antwortet er: „300 Mädchen oder 200 Schwermetaller“. Anhand dieser Eckdaten schätze ich die Besucherzahl mal grob auf 270. Einige Mädchen sind nämlich schon da und Schwermetaller hab ich höchsten zwei oder drei gesehen.

Die angekündigte Einlasszeit von 20 Uhr kann leider nicht eingehalten werden, etwas das für uns später am Abend noch eine Rolle spielen wird. Einmal im Keller des Nachtlebens angekommen, erwartet uns – obwohl erst gut 50 Leute drin sind – ein sehr warmer und niedriger, aber sehr sympathischer kleiner Raum. Rudd’s Podest auf dem seine Yirdakis (aka Didgeridoos) und die tausend anderen Instrumente stehen, die er während eines Konzertes so spielt, ist noch verhüllt. Die zwei Mikros davor sind für den Support, Lena Anderssen und ihren Begleiter Niclas Johnannesen von den Färöer Inseln. Während ihrer Songs erinnert die blonde Dame mit ihren Gesten anfangs ein wenig an Joe Cocker, spielt sich aber souverän und durchaus sehenswert durch ihr kurzes Set.

Nach einer etwas langen Umbaupause (viel umgebaut wird eigentlich gar nicht), betritt Xavier Rudd gegen 22.10 Uhr die kleine Nachtleben-Bühne. Sein Podest entpuppt sich sofort als absoluter Glücksfall, denn sehen kann den direkt unter der Decke sitzenden Australier so fast jeder. Rudd legt mit „Fortune Teller“ los und zeigt in den ersten zehn Minuten jedem wieso dort so viele komische Sachen um ihn herumstehen. Wer zum ersten Mal auf einem Xavier Rudd Konzert ist, fragt sich dies unter Umständen vielleicht.

Das brechend volle Nachtleben heizt sich im Lauf des Sets in Regionen auf, die nicht wenige dazu veranlassen ab und an mal vor die Tür zu gehen. Was an Sauerstoff fehlt, ersetzt der blonde Derwisch auf seinem Podest mit guter Laune und treibenden Rhythmen. Beim reggaelastigen „Come Let Go“ und dem Toots & the Maytals Cover „Famine“ tanzt die ganze Meute und vergisst Hitze und Sauerstoffknappheit.

Höhepunkte des Main-Sets sind Rudds diverse Instrumentalpassagen und Songs wie „Messages“, „Conceal Me“ oder das wunderschöne „Land Rights“ von seiner neuen Platte „White Moth“. Es ist beeindruckend was für Töne der Aussie seinen Yirdaki’s entlockt und wie ein einzelner Musiker einen derart dichten und vielschichtigen Klangteppich erzeugen kann. Der Friedens-Sing-a-long „Let Me Be“ ist ein weiteres Highlight und zeichnet sich durch hervorragende Publikumspartizipation aus. Rudd plaudert während des Abends erstaunlich viel, ich habe ihn schon introvertierter erlebt. Die Atmosphäre scheint ihm sehr zu gefallen. Ob er eine nervige Zwischenruferin in der ersten Reihe auf den Arm nimmt oder seine Techniker durch ein Walkie-Talkie in die Show mit einbindet. Xavier gefällt es in Frankfurt, das merkt man.

„To Let“ darf an keinem Ende des Hauptteils eines Xavier Rudd Konzerts fehlen. So ist es auch heute. Wie bereits bei diversen Stücken zuvor begleitet Schlagzeuger Dave Tolley, der zweite Mann auf der Bühne, den Multiinstrumentalisten perfekt. Rudd, der früher nur solo auftrat hat die passende Bühnenergänzung gefunden und das merkt man bei jedem von Tolley begleiteten Song (er unterstützt Rudd ca. bei der Hälfte der Songs). Die beiden lachen und spielen im wahrsten Sinne des Wortes „zusammen“. Um kurz vor Zwölf verlassen die Musiker unter tosendem Applaus die Bühne, das Publikum schreit nach mehr.

Das Ende eines astreinen Frankfurtausflugs ist leider etwas ernüchternd. Dank des sehr späten Einlasses und der äußerst entspannten Pause nach Frau Anderssens Set müssen viele gegen kurz nach Mitternacht ihre Zelte im Nachtleben abbrechen und sich auf den Weg zum Bahnhof machen um den letzten Zug zu erwischen. Uns geht es unglücklicherweise ebenso. Nach einem wunderschönen „White Moth“ – bei dem Rudd einen seltenen Gast namens „E-Gitarre“ rausholt –  und dem auf Zuruf gespielten „Better People“ müssen wir, wie viele andere, leider aufbrechen und die restlichen Zugaben Zugaben sein lassen. Den Closer „Shelter“ verpassen wir. Da dies neben der höllischen Wärme und der viel zu schlechten Luft allerdings die einzigen kleinen Minuspunkte sind, wird mir dieser Sonntag in Frankfurt noch lange in sehr guter Erinnerung bleiben. Xavier Rudd verkündete irgendwann am Abend, dass er nächstes Jahr natürlich auch wieder nach Deutschland kommt. Nach diesem gefeierten Auftritt wäre es eine große Überraschung wenn Frankfurt nicht erneut im Tourprogramm auftauchen würde. Wir fahren dann aber wohl nicht wieder mit dem Zug.

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Rhingtön
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
The Love Bülow