Yellowcard

Tour 2006

13.03.2006 Live Music Hall / Köln

Von: Willi Nickolaus

Yellowcard Köln

Köln, Live Music Hall. Ein ätzender Geruch nach verbrannten Kabeln war beim Eintreten in die Venue deutlich zu vernehmen. Dies zeugte leider nicht von der schweißtreibenden Arbeit der beiden Vorbands und der damit verbundenen Misshandlung der Instrumente und des Equipments, sondern daher, dass es in der Nacht davor einen Kurzschluss gegeben hat. Dafür waren die Kühlschränke brandneu und strahlten um die Wette. Was man von den beiden Combos, die den Abend eröffneten leider nicht sagen kann.

Doch die Rettung nahte. Um 22.30h betraten die jungen Wahl-Kalifornier von Yellowcard die Bühne der Live Music Hall, die erst kurzfristig gebucht wurde, weil sie um einiges größer ist als der Prime Club und somit möglichst vielen Fans den Konzertbesuch ermöglichte. Schade, dass Yellowcard trotz so vieler Anhänger der Sprung in die deutschen Charts verwehrt blieb. Dafür landete das neue Album „Lights and Sounds“ in den Top 5 der amerikanischen Hitlisten. Das schlechte Abschneiden hierzulande liegt wahrscheinlich darin begründet, dass die Deutschen nicht so genau wissen, ob sie Yellowcard jetzt in die Pop- oder in die Rockecke stellen sollen. Dass ist auch wirklich schwer zu sagen, aber dies ja kein wirkliches Manko.

Davon konnte man sich gleich beim Opener „Lights and Sounds“ vom gleichnamigen neuen Album überzeugen. Die Crowd in der ausverkauften Live Music Hall war vom ersten Moment an hellwach, streckte die Hände in die Höhe und sang lauthals mit. Und hatte auch allen Grund dazu, denn Yellowcard spielten wirklich erfrischt auf und überzeugten mit gutem Bühnensound. Sean Mackin, verantwortlich für Violinen und Mandolinen, stach zu Beginn sicherlich am meisten heraus. So oft kommt es ja auch nicht vor, dass ein Pop- oder Rockmusiker mit Streichinstrument auf der Bühne erscheint, gleichzeitig die Backingvocals macht und dabei die ein oder andere Tanzeinlage aufs Parkett legt.

Sean war an diesem Abend viel beschäftigt, denn fast alle Songs von Yellowcard haben Parts mit Violinen oder Mandolinen. Sowohl was das erste als auch das zweite Album angeht. Yellowcard stellte aus beiden Longplayern ein gut gemischtes Repertoire zusammen, das die Fans von der ersten bis zur letzten Reihe dazu animierte, steady mitzuklatschen. Besonders der Schlagzeuger mit dem prachtvollen Namen Longineu Parsons III machte einen überzeugenden Job. Das großartige Schlagzeugsolo unterstrich diesen Eindruck.

Insgesamt hatte die Band das Publikum fest im Griff und fütterte es mit Hits aus beiden CDs wie z.B. „Only One“, „Way Away“ und „City Of Devils“.
Nach 90 Minuten wurde denn ein gutes Konzert beendet, das den Fans einen unvergesslichen Abend bescherte. Wirklich positiv zu vermerken ist die Haltung von Yellowcard. Es gibt viele Bands, die zwar keinen Deut härter sind, aber bei jeder Gelegenheit zur Schau tragen, was für eine toughe Rockband sie sind.
Yellowcard sind einfach gut gelaunte Jungs, die dies auch an ihre Fans weitergeben.
Zu kritisieren ist einzig - und dies wurde auch schon auf dem neuen Album deutlich - dass den Songs Kanten fehlen. Daran sollten sie noch arbeiten, um dauerhaft im Geschehen mitmischen zu können. Es könnte sonst passieren, dass sie im Strudel der aktuell angesagten jungen Bands untergehen.

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