Zeraphine
Blind Camera Tour, Support: LAB
20.03.2005 Capitol / Hannover
Von: Melanie Schupp

Knapp zwei Jahre Zeit verging, seit Zeraphine das letzte Mal im Capitol Hannover gespielt haben. Endlich hat das Warten ein Ende, denn am 20.03.2005 ist ein Gig auf ihrer aktuellen Blind Camera Tour geplant.
Als wir das Capitol erreichen ist keine Menschenseele vor den Türen, so dass wir schon fast befürchten wir hätten uns im Datum geirrt oder das Konzert wurde abgesagt. Doch die Tourbusse vor dem Gebäude lassen darauf schließen, dass es statt finden würde. An der Kasse sagt uns die Verkäuferin, dass so wenig los sei, dass wir keine Fotopässe benötigen um gute Bilder zu schießen. Wir trauen unseren Ohren kaum, aber als wir den Saal betreten können wir uns mit eigenen Augen davon überzeugen. Vielleicht 200 Personen sind anwesend und stehen oder sitzen gemütlich da… Hannover was ist los? fragen wir uns. Aber nichts desto Trotz ist die Vorfreude groß, denn es kommt nicht auf die Größe des Publikums an sondern auf die Stimmung und Energie die sie verbreiten.
Pünktlich um 21 Uhr betritt die finnische Vorband LAB die Bühne. Frontfrau Ana erscheint in einem sehr knappen weißen Kleidchen, in dem sie ihren makellosen Körper präsentiert. Leider ist die Soundeinstellung zu Beginn nicht so einwandfrei wie ihr Äußeres und ihre eigentlich tolle Stimme geht ziemlich unter. Aber sie fasziniert durch ihre Verrenkungen, die sie durchführt, ohne dass der Gesang darunter leidet. Mal kniend, liegend oder auf einem Bein (so dass ihre schwarze Hotpants unter dem Kleid deutlich zu sehen ist) wirkt sie wundervoll durchgeknallt und als stünde sie unter Drogen. Auch ihre verklärten Blicke unterstützen diesen Gesamteindruck.
Das Publikum ist begeistert von der Andersartigkeit des Auftritts und nach dem letzten Song verlangt es nach Zugabe. Doch dies lässt der Zeitplan nicht zu und die herannahende Zeraphinedarbietung tröstet sehr gut darüber hinweg.
Gegen 21.34 Uhr ist es dann auch soweit. Unter Jubel des Publikums – das mittlerweile ein bisschen Zuwachs bekommen hat – betreten die fünf Berliner Jungs das Rampenlicht. Sven begrüßt Hannover mit den Worten „vor über einem Jahr waren wir schon einmal hier im Capitol… schön wieder hier zu sein!“ Danke Sven, das finden wir auch. Die ersten Songs werden eingeläutet u.A. die aktuelle Single „Die Macht in dir“ und „No more doubts“. Im Hintergrund prangt, durch einen Lichtstrahl hervorgezaubert, das „Z “von Zeraphine auf zwei weißen Stoffbannern links und rechts der Bühne.
Die Zuschauer tanzen sanft zu der Stimme von Sven, die einem einen wohligen Schauer über den Rücken jagt. Bei der Ankündigung des Songs „Sometimes“ kreischt eine Ecke des Publikums freudig auf. „Ah ja…schön!“ kommentiert dies Sven überrascht, aber sichtlich erfreut.
In der Mitte des Konzertes verlässt die gesamte Band außer Sven plötzlich die Bühne. Ganz alleine, nur mit dem Keyboard im Hintergrund beginnt er den Song „I´m numb“ völlig in blaues Licht getaucht. Es herrscht eine andächtige Stille und es fällt schwer einen Seufzer zu unterdrücken. Nach und nach erscheinen Norman, Manuel, Michael und Marcellus um zum Refrain richtig aufzudrehen. Man kann erkennen, dass die Band das verkörpert was sie darbieten… und dafür leben. Und genau das ist es was das Publikum an diesem Abend so fesselt und mitreißt. „Wir vergessen die Zeit, wir ertrinken in der Ewigkeit…“
Bevor das nächste Lied beginnt wird eine Stimme im Publikum laut „können wir noch ´in your room´ von Depeche Mode hören?“ Dies sorgt natürlich für Gelächter. Bei jeder Tour covert Zeraphine einen bekannten Song und „In your room“ war das auserwählte Lied der vorangehenden. Wer nun also eins und eins zusammenzählen kann der weiß, dass es diesmal mit Sicherheit ein anderer sein müsste. Doch welcher es ist, das bleibt weiterhin ungewiss.
Doch ansonsten bleibt kaum ein Wunsch offen. Von allen drei Alben werden sämtliche Songs gespielt. Der Hit „Die Wirklichkeit“ und „Siamesische Einsamkeit“ von dem Album "Kalte Sonne". Von „Traumaworld“ dürfen wir uns über das gleichnamige Lied, sowie „Be my rain“ freuen. Und dies ist längst nicht alles!
Nach ca. 1,5 Stunden eines wundervollen Konzertes verlassen die Jungs fürs erste die Bühne. Doch es ist klar, dass sie nicht so einfach davon kommen, das Volk schreit nach mehr! Und es wird sogar mit zwei ganzen Zugaben belohnt. Hier wird auch das Geheimnis um den Coversong gelüftet. Dieses Mal handelt es sich um „In my place“ von Coldplay. Zugegeben, ich bin wirklich kein Freund von Coldplay, aber was Zeraphine aus diesem Song gezaubert haben ist bezaubernd. Alleine schon der Unterschied der Stimmhöhe verwandelt ein zuvor – von mir –verschmähtes Lied in einen absoluten Favoriten.
Der Applaus, den Zeraphine nach ihrem zweistündigen Auftritt erhalten, lässt eigentlich auf ein weit größeres Publikum vermuten, als es ist. Und das haben sie sich redlich verdient. Den ganzen Abend über hat jeder Einzelne der Jungs ganze Arbeit geleistet und überzeugt. Kein Wunder, dass der Merchandising Stand später von vielen angesteuert wird.
Nach nur einer kurzen Wartezeit erscheint auch die gesamte Band im Capitol und unterhält sich gemütlich mit neuen und offensichtlich altbekannten Gesichtern. Auch die Finnen lassen sich nach und nachblicken. Sehr angenehm geht der Abend somit zu Ende und wir danken Zeraphine herzlich für ihr Kommen… „doch eure Welt bleibt auch ein Teilvon mir“.
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