Zeraphine

Tour 2006 Support Entwine

03.11.2006 Rosenhof / Osnabrück

Von: Diana Hartmann

Zeraphine Osnabrück

Es ist November und die Finnen stürmen Deutschland. Während die Kollegen von Negative und Bloodpit durchs Land tingeln, wollten auch Entwine nicht nachstehen und reisten zur gemeinsamen Tour mit Zeraphine aus dem hohen Norden an. Zu meinem Leidwesen leider nur als Supportact, aber an dieser Stelle möchte ich gleich mal die freundliche Geste von Zeraphine erwähnen, die ihr für gewöhnlich längeres Set um ganze 20 Minuten kürzten und diese Zeit Entwine schenkten, welche somit die Sääle 50 Minuten lang aufwärmen durften.

Und das taten sie auch in Osnabrück. Leider war der Rosenhof nicht so wahnsinnig gut besucht, und die ansonsten eigentlich sehr bezaubernde und gemütliche Location war doch ein wenig leer, als ENTWINE gegen 20.00 Uhr die Bühne betraten. Das tat der Show jedoch keinen Abbruch und die Jungs und Mädels gaben alles, um das Publikum mit einem Set, bestehend aus Songs des neuen Albums Fatal Design und dem Vorgänger DiEversity in ihren Bann zu ziehen. Ältere Sachen gab es allerdings leider nicht zu hören, was den ein oder anderen langjährige Fan möglicherweise ein kleines bisschen enttäuscht haben könnte.

Die Band schien jedenfalls in bester Laune, auch wenn Gitarrist Jaani etwas mit einem Kater zu kämpfen hatte, denn am Vortag in Bochum wurde bis spät in die Nacht gefeiert. Sänger Mika fegte wie ein Wirbelwind über die doch sehr breite Bühne und hatte sichtlichen Spaß daran, seine Kollegen hier und da zu necken, mit Wasser zu bespucken, und natürlich mit den Girls in der ersten Reihe zu flirten. Ganz vorn war der Gesang leider nicht unbedingt gut wahrnehmbar, aber wenn man sich etwas weiter nach hinten bewegte, war soundtechnisch gesehen alles in bester Ordnung. Auch die Lightshow war beeindruckend, besonders wenn man bedenkt, dass es sich hier um die Supportband handelte, bei welchen normalerweise in dieser Hinsicht oft etwas gespart wird.

Aus dem sowohl musikalisch und auch gesangstechnisch einwandfreien Set besonders hervorzuheben wäre der letzte Song, Curtained Life, welchen Mika als einen sehr persönlichen Song vorstellte und sich bei der Performance stimmlich fast selbst übertraf. Oft gehört, immer toll gefunden, aber diesmal war’s einfach nur: WOW! Ich jedenfalls habe jede Sekunde der Show genossen und hätte mit Sicherheit nichts dagegen gehabt, Entwine noch etwas länger spielen zu sehen.

Zeraphine, der Headliner des Abends, die ich bis dato zugegebenermaßen nur vom Namen her kannte, fand ich schon am Vortag in Bochum nicht so prickelnd – aber das wohl eher, weil mir die Venue dort einfach zu voll war und die Bar doch einen wesentlich angenehmeren Aufenthaltsort darstellte. Von daher wussten wir aber auch, was uns in Bezug auf die Länge des Sets erwartete, und so ließen wir uns, mit einer Kopie der Setlist bewaffnet, im hinteren, erhöhten Teil des Saales nieder, um von dort aus das Schauspiel mit einer ausgesprochen guten Sicht zu verfolgen.

Als ZERAPHINE unter dickem Nebel die Bühne betraten, war es immer noch nicht sehr voll im Rosenhof, aber die Band nahm das eher gelassen. Mit Die Macht in dir begann die Show mit einem eher catchy Opener, bevor es im Set mit einer Mischung aus sowohl deutsch- als auch englischsprachigen Songs weiter ging. Dies war einer der Punkte der mich staunen ließ, denn trotz des ständigen Sprachwechsels gab es keine zumindest größeren Patzer bei den Texten.

Trotz der Tatsache, dass ich zwar zwei Gitarristen auf der Bühne sah, kam ich nicht drumherum mich zu fragen, was diese dort eigentlich taten. Gehört hat man sie jedenfalls kaum, nur das Keyboard, das konnte man gut hören. Zu sehen war allerdings keins, und als Sänger Sven bein Intro von I’m numb den Soundausfall damit begründete, dass “der Drummer wohl auf den Pianisten gefallen” wäre, meinte er doch sicher den Schalter fürs Backing Tape… Sowohl die Menge als auch die Band nahmen es jedenfalls mit Humor.

Im Gegensatz zu uns schien das Publikum sehr begeistert. Bei Ohne dich wurde fleißig mitgeklatscht, bei Be My Rain wurden Regenschirme aufgespannt, und auch später sorgten Seifenblasen wie auch Wunderkerzen für eine tolle Atmosphäre. Aber auch die Lightshow war ansehnlich und untermalte optisch perfekt. Nach 80 Minuten und 20 Songs verabschiedeten sich Zeraphine, kamen nach ausgedehntem Applaus aber noch einmal zurück, um mit drei langsameren Nummern den Abend bedächtig ausklingen zu lassen. Es gab noch vier mehr Songs auf der Setlist, aber aufgrund des nachfolgenden Discoabends mussten Zeraphine um 23.00 Uhr die Bühne räumen, wohl sehr zum Missfallen der Fans.

Meine Begeisterung hielt sich jedoch in Grenzen. Musikalisch an sich ist an Zeraphine nichts auszusetzen, aber live war mir das persönlich zu lang gezogen und auch zu langweilig. Sicher, für die Fans ist es toll, die bekamen bei einem solch langen Set natürlich was für ihr Geld. Aber als Durchschnittsbesucher schaute man dann doch schon öfter mal ungeduldig auf die Uhr. Und nicht nur die Länge der Show, sondern auch die Bühnenpräsenz fand ich eher zum Einschlafen. Bewegt hat sich keiner der Herren sonderlich viel, und das gehört für mich bei einer Show einfach dazu. Sicherlich ist das auch Ansichtssache, und in Goth-Kreisen gilt zu viel Action vielleicht auch als uncool, aber muss man sich denn wirklich knappe zwei Stunden lang nur in einem Radius von maximal einem Meter ums Mikro bewegen?

Aber egal, ein toller Abend war es trotzdem, wenn auch in meinem Fall eher wegen der Vorband. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, und die Fans jedenfalls feierten beide Bands, die sich bei der nachfolgenden 80’s Disco geduldig mit Fans ablichten ließen und Autogramme schrieben.

ENTWINE
Out Of You
Someone To Blame
Fatal Design
Surrender
Bleeding For The Cure
Still Remains
Frozen By The Sun
Bittersweet
Break Me
Chameleon Halo
Curtained Life


ZERAPHINE
Die Macht in dir
IÂ’ll Follow You
No More Doubts
In der Tiefe
Niemand kann es sehen
Still
Nichts aus Liebe
Toxic Skies
Kaltes Herz
IÂ’m numb
Ohne dich
No Tears
United And Lost
Die Wirklichkeit
Be My Rain
Halbes Ende
Walking In My Shoes
Inside Your Arms
Fang mich
Wenn du gehst

Flieh mit mir
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