Zoot Woman

Tour 2008, Support: Kenna

22.03.2008 Postbahnhof / Berlin

Von: Melanie Schupp

Zoot Woman Berlin

5 lange Jahre ließen die Londoner von Zoot Woman mit neuem Material auf sich warten. Kein Wunder wenn man wie Frontmann Stuart Price damit beschäftigt ist Madonna als auch Seal soundtechnisch beizustehen. Doch im Winter letzten Jahres standen Zoot Woman zumindest mit einem neuen MP3 Output auf der Matte. Der Sound von „We Won’t Break“ knüpfte schön da an, wo sie zuletzt aufgehört hatten.

Da das komplette Album noch nicht auf dem Markt war, schien die einzige Möglichkeit sich einen frühen größeren Eindruck zu verschaffen, das Konzert um die Osterzeit in Berlin zu sein. Kurz vor 20h stand ein sehr kleiner Menschenauflauf vor den geschlossenen Toren des PostbahnhofsÂ… obwohl im Internet die Türöffnung für 19h ausgeschrieben stand. Nun ja, in Berlin schienen die Uhren anders zu ticken und punkt 20h klackte der Schlüssel im Türschloss.

Die Anwesenden füllten die Räumlichkeit nicht im Geringsten aus, die Freude über die intakten Heizstrahler an der Decke war darum umso größer. Die Zeit verging und nur sehr langsam kamen vereinzelt Leute dazu. Die Berliner machten es wirklich spannend!

Zum Startschuss des Supportacts „Kenna“ war der Postbahnhof dann allmählich gut gefüllt. Der aus den Boxen schallende Elektro-Pop ging sofort ins Tanzbein und Jung als auch Nicht-Mehr-So-Ganz-Jung-Aber-Aufgestylt-Und-In-Topform schwangen selbiges. Die Qualität der Musik vom Feinsten, der Gesang von Frontmann Kenna teilweise noch nicht ganz so astrein – zwar recht kraftvoll tönt sie, doch stellenweise nicht so 100% im Ton. Wahrscheinlich kein so guter Tag für den Guten, denn wer bereits mit Dave Gahan auf Tour war, hat normalerweise sicherlich mehr drauf. Doch wir wollen nicht kleinlich sein, die Makel waren minimal und das Gesamtbild riss den Laden mit. Spätestens bei der Ankündigung der neuen Single als Kenna sprach „You can dance if you want!“, kamen mehr und mehr Leute dieser Aufforderung nach. Ein kurzes, knackiges Support-Set wärmte die Leute genau richtig auf – nicht zuviel und nicht zu wenig, so dass die Leute bereit waren für die Herren und Dame aus UK.

Der mittlerweile prall gefüllte Postbahnhof empfing Zoot Woman mit großem Jubel – die Tanzbeine hatten in der Umbaupause viel zu lange still gestanden. War das Set auch ruck zuck umgebaut, die restless legs empfanden dies als halbe Ewigkeit. Doch keine Angst, die ersten Töne der Hauptband versprachen schnelle Abhilfe. Die Band, die ohne ihren Mastermind Stuart Price unterwegs waren, der auf der Tour von der atemberaubenden Bassistin Jasmin O'Meara vertreten wurde, hatte das Publikum vom ersten Augenblick an für sich. Mit „We Won’t Break“ starteten Zoot Woman durch, so dass kein Fuß still stand. Endlich mal was anderes als die ständigen Rock-Konzerte (nichts dagegen „I love Rock n  Roll“, aber die Abwechslung war willkommen). Hier wurde man nicht in der ersten Reihe zusammengedrückt. Auch traf kein Fuß eines Bodysurfers den Hinterkopf. Einfach nur tanzen, tanzen, tanzen – das war es was der Name „Zoot Woman“ versprach und auch hielt. Die Live-Atmosphäre des Synthie-Pops war um einiges gewaltiger und einnehmender als dies aus den Boxen der Stereoanlage der Fall war. Bei der Setlist wurde gekonnt zwischen neuen Hits wie „We Won’t Break“ und alten Klassikern wie das allseits bekannte „It’s Automatic“ geswitcht. Danach gab es natürlich tosenden Applaus mit Zugabe-Rufen, die erst verstummten, als die Band den Rufen nachkam.

Etwas mehr als eine Stunde verwandelten Zoot Woman den Postbahnhof in einen Tanzpalast und nach der Zugabe leerte sich der Raum alsbald. Das Publikum war zufrieden gestellt und wollte den Postbahnhof lieber mit Zoot Woman im Ohr verlassen, als sich die festgesetzte Stimmung von der darauffolgenden Party austreiben zu lassen. Ab in die Nacht, verschwitzt vom Tanzen und nicht mit blauen Flecken vom Pogo – ein schönes Konzert, das nachhaltig bezauberteÂ… und sich durch seine hartnäckigen Ohrwürmer noch tagelang ins Gedächtnis brennen würde.

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