ZZ Top

Tour 2008

11.07.2008 Museumsmeile / Bonn

Von: Wolrad Wolff

ZZ Top Bonn

Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard: Mit 13 vergoldeten Alben gehören die drei Texaner zu den Urgesteinen des Musikbusiness. Markenzeichen von ZZ Top sind lange Bärte, aufgemotzte Autos und dunkle Sonnenbrillen. Seit 1969 prägt das Trio mit seiner unverwechselbaren Mischung aus Blues, Rock und Pop den Sound des Texasblues. Nach Erscheinen ihrer DVD “Live from Texas“ geben sich ZZ Top auf ihrer Tour 2008 für drei Termine in Deutschland die Ehre.

Der Museumsplatz in Bonn ist brechend voll, das Konzert ist bis zur letzten Karte ausverkauft. Heitere ZZ Top Fans drängen sich um Bierstände, es herrscht ausgelassene Stimmung, und die Dichte an langen Bärten ist an diesem Abend um einiges höher als kurz vor Heiligabend auf einem Weihnachtsmarkt. Gelassen erduldet das Publikum die Vorgruppe “Moderate Pace“, die ihre Sache gut machen, jedoch in Anbetracht des Haupt-Actes in Belanglosigkeit untergehen.

Um kurz nach acht ist es dann soweit: Unter laut dröhnenden Bassfrequenzen betreten die drei Texaner die Bühne und eröffnen das Konzert mit “Got Me Under Pressure“, einem Titel des 1983 erschienenen Albums “Eliminator“. Der Bühnenaufbau ist elegant sparsam und absolut symmetrisch. Im hinteren Teil steht das Schlagzeug von Frank Beard, rechts und links davon identisch aussehende Bass- und Gitarrenboxen, und schließlich vorne am Bühnenrand zwei Mikrofonständer, die aussehen wie die Krümmer eines amerikanischen Trucks. Auch die beiden Frontmänner Hill und Gibbons sehen sich zum Verwechseln ähnlich: vom Scheitel bis zur Sohle das gleiche Outfit. Sogar die Instrumente sind farblich und vom Design aufeinander abgestimmt. Ihre Bühnenshow besteht im Wesentlichen darin, dass ihre beharrlichen Bewegungen synchron ablaufen. Das Publikum ist begeistert und erwidert jede kleinste Showeinlage der beiden mit großem Jubel und tosendem Applaus.

Nach drei weiteren Songs wendet sich Billy Gibbons an sein Publikum mit der Frage: “Wo ist mein German Amigo?“ Von hinter der Bühne tritt ein Mann ans Mikrofon, der anfängt, der Band auf deutsch Fragen zu stellen: Wie denn die Reise von Texas nach Deutschland verlaufen sei aber vor allem, mit welchem Verkehrsmittel. Der Autofreak Gibbons antwortet grinsend: “Wir sind in meinem hot-rodded Smart angereist!“ Kleinstwagen sorgen unter Amerikanern normalerweise für großen Spott. Gibbons Art von Humor hingegen kommt beim Publikum extrem gut an. Die Stimmung steigert sich mit jedem weiteren Song. Höhepunkte sind Stücke wie “Cheap Sunglasses“ oder “Gimme All Your Lovin“, der Song, mit dem die Band ihren größten kommerziellen Erfolg feierte.

Um 20 nach neun ist dann erstmal Schluss, aber das aufgeheizte Publikum denkt nicht daran seine Helden schon gehen zu lassen. Lautstark wird die zweite Runde in Form von Zugaben eingefordert. Und die Band lässt auch nicht lange auf sich warten. Unter den Zugaben sind Highlights wie “Tube Snake Boogie“ und “La Grange“ sowie zwei Coverversionen: Hendrix’ “Foxey Lady“ und “Jailhouse Rock“. Es ist das letzte Stück des Abends und wird überraschenderweise vom Bassisten Dusty Hill gesungen.

Lange halten die Zugabenrufe der Fans an, bis allen klar ist, dass die drei Texaner sich nach gut 100 Minuten Konzert nicht noch ein weiteres Mal auf der Bühne blicken lassen werden. Gibbons & Co. spielten einen repräsentativen Querschnitt ihrer Erfolge aus fast 40 Jahren Bandgeschichte. Vermisst hat man lediglich den Titel “Rough Boy“, eine Ballade, die Mitte der achtziger Jahre den Bekanntheitsgrad der Band noch einmal sehr gesteigert hatte.

Mit der Souveränität und Coolness, die ZZ Top an den Tag legen, haben sie uns an diesem Abend vor allem eines gelehrt: Solange man dunkle Sonnenbrillen und lange Bärte trägt, ist es nicht unmöglich, im Rock ’n’ Roll Business mit Würde alt zu werden und sein Publikum mehr denn je zu begeistern.

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