The Hives für denkende Menschen!
Jarle Bernhoft, oft als eine der talentiertesten Stimmen seiner Heimat beschrieben, hat seine Karriere Schritt für Schritt aufgebaut. Angefangen von kleinen Bühnenrollen an der Norwegischen Oper während seiner Kindheit, über erste Erfolge mit Heavy Rock (und einem Plattenvertrag in Los Angeles), bis zu seinem ersten vom Soul beeinflussten Soloalbum, hat sein musikalischer Stil viele Abstecher und Umwege genommen. Jetzt scheint er seine endgültige Form gefunden zu haben, besticht durch einen unverwechselbaren Charakter und hat die norwegische Musikszene gehörig aufgemischt.
Am 08.07.2011 veröffentlichte er sein zweites Soloalbum Solidarity Breaks“, eine Sammlung von Songs, die das Resultat vieler Jahre harter Arbeit auf der Suche nach seiner eigenen Identität ist. Für Bernhoft, (Jahrgang 1976), gibt es keine Alternative, Musik war für ihn schon immer das Wichtigste im Leben. Mit der Band Explicit Lyrics, aus der später die erfolgreichere Band Span wurde, entwickelte er sich zum Rocksänger und erarbeitete sich langsam eine Reputation als Stimme, die im norwegischen Rock nicht zu überhören ist. Als Span auch außerhalb Norwegens Erfolg hatte, begann ein Märchen in der norwegischen Musikgeschichte.
Seine Bühnenperformance, die von anderen als ‘Giraffe (high) auf (der Designerdroge) PCP’ und von ihm selbst als ‘The Hives für denkende Menschen’ beschrieben wurde, gab es tatsächlich keinen Mangel an Tempo und Energie. Kaum eine Band dürfte härter gearbeitet haben als Span. Ausführliche Tourneen durch ganz Europa brachten ihnen einen Vertrag mit Island Records in London ein, später mit dem amerikanischen Label Interscope Records. Als sie 2004 das von Gil Norton (Pixies, Foo Fighters, Echo & The Bunnymen) produzierte Debütalbum ‘Mass Distraction’ veröffentlichten, sah die Zukunft für dieses vierköpfige Rockmonster strahlend aus. Trotzdem gaben sie im Oktober 2005 ihr letztes Konzert in der ausverkauften Osloer Rockefeller Music Hall. Neue Herausforderungen warteten.
Bernhofts erstes Soloalbum “Ceramik City Chronicles” (Universal 2008) war eine schamlose Soulparty. Unterstützt von einer Allstar-Band norwegischer Musiker, hatten die Songs ihre Wurzeln im 70er Jahre-Soul mit Referenzen an nahezu alles und jeden, von Curtis Mayfield über Sly & The Family Stone und Stevie Wonder bis hin zu Michael Jackson. Es war eine Hommage voller Hassliebe an seine Heimatstadt Oslo. Das Album stieg auf Platz 4 in die Charts ein und schickte Jarle auf Tournee durch Norwegen und Europa. Bis er von einer heftigen privaten Finanzkrise getroffen wurde.
“Die Tournee nach der Veröffentlichung von Ceramik City Chronicles“ startete mit der Idee, das Album Note für Note mit einer 8-köpfigen Band auf die Bühne zu bringen. Nach drei Konzerten wurde mir allerdings klar, dass ich auf die Pleite zu steuerte und es war schwierig Venues zu finden, die wir uns leisten konnten. Das war der Start meiner One-Man-Band”, sagt Jarle Bernhoft. Und das war keine schlechte Entscheidung.
Langsam verbreitete sich im Land die Nachricht von einer einzigartigen und ganz und gar überraschenden Bühnenshow. Bernhoft hatte sich auf das Wesentliche reduziert und stand nun allein auf der Bühne. Mit zwei Gitarren, einer Fender Rhodes und einigen elektronischen Apparaturen, war er zu einer Ein-Mann-Band von unglaublicher Präsenz geworden.
Nach einer Tour durch ausverkaufte Häuser in ganz Norwegen, nahm er seinen Auftritt in der brechend vollen Rockefeller Music Hall in Oslo auf und veröffentlichte im Januar 2010 als Livealbum ‘1: Man, 2: Band’ auf seinem eigenen Label, Kikitépe Cassette. Es schien als ob Bernhoft und die Welt plötzlich gleich ticken würden: “Ich habe meine Platten tatsächlich immer gleichermaßen sowohl als Showcase für meine Live-Auftritte wie auch als Verkaufsobjekt gesehen. Nachdem es heute kaum noch möglich ist mit der Veröffentlichung von Musik Geld zu verdienen, ist es wichtiger als je zuvor auf Tour zu gehen. Daher fühlt es sich genau richtig an, ein Livealbum auf den Markt zu bringen, auf dem man eine ganz altmodisch krachende Performance abliefert. Ich fühle mich ganz gut vorbereitet auf die kommenden Veränderungen im Musikgeschäft“, sagt Bernhoft lächelnd..
Und damit steht er keineswegs allein da, denn langsam aber sicher hat er sich eine künstlerische Reputation als Live-Performer auch außerhalb Norwegens aufgebaut: in Dänemark, England und besonders bei uns in Deutschland, wo er neben vielen anderen Engagements als Support der Legende Joe Cocker auftrat. Mit mehr als 100.000 verkauften Tickets hat sich Jarle dem deutschen Publikum vorgestellt – und das als die wahrscheinlich umweltfreundlichste Band der Welt.
Das Album Solidarity Breaks“ ist auch ein Resultat der Wiederentdeckung seiner selbst als Solo-Künstler. Es wurde in London aufgenommen, produziert von Fred Ball (Pleasure, Bertine Zetlitz, Brett Anderson) und ist zu einem organischen Abenteuer geworden, bei dem Bernhoft eingesteht, dass die Arbeit als Einzelmusiker sein Für und Wider hat und sichtbar Spuren hinterlässt: “In einer Live-Situation achte ich sehr dogmatisch darauf, dass alles nur da und jetzt auf der Bühne passiert, ohne irgendwelche vorher ausgetüftelte Programmierungen. Im Studio ist es allerdings albern sich zu sehr zu limitieren. Ich habe mich darauf konzentriert sicher zu stellen, dass dieses Album eine Verspieltheit mitbringt, die genau so auf der Bühne funktionieren würde”, sagt Jarle.
Die meisten der zwölf Tracks auf dem Album wurden von Bernhoft geschrieben, einige in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Fred Ball, einer mit dem englischen Singer/Songwriter Ed Harcourt, ein weiterer mit Jimmy Hogarth (Amy Winehouse, Duffy, Beverly Knight) und einer mit dem Keyboarder David Wallumrød. Das Album wurde hauptsächlich von Jarles One-Man-Band eingespielt, mit Gastauftritten von u.a. Knut Reiersrud (zu diesem Anlass an der Harmonica), Drummer Torstein Lofthus, David Wallumrød, Ed Harcourt, Bassist Audun Erlien und Backingsänger Kwame Ogoo. Es wurde von Steve Fitzmaurice gemixt, der zuvor u.a. mit U2, Depeche Mode und Kylie Minogue gearbeitet hat.
Wie der Titel vermuten lässt, geht es diesmal um Solidarität: “Mit diesem Album möchte ich eine Reihe von Geschichten erzählen, aber mein Hauptanliegen ist Solidarität im Kleinen wie im Großen. Es geht um Solidarität in der Politik, mit anderen Menschen, in der Gesellschaft, in Beziehungen – und darum, wie schwierig es sein kann, zusammen zu leben, sowohl unter guten wie unter schlechten Bedingungen”, erklärt er.
Was die Musik betrifft, ist das Album für ihn ein besonderer Mix bekannter und weniger vertrauter Richtungen: “Ich habe neben vielen anderen Dingen auch eine Menge Hip-Hop angehört, die Stilrichtung der Popmusik, die sich meiner Meinung nach zur Zeit am meisten entwickelt. Ich bin heute viel offener als vorher und lehne mich entspannt zurück. Scherzhaft könnte man meinen, dass das Album wie mein vorheriges klingt, mit einigen Rücksprüngen zum frühen Nik Kershaw und zu The Roots und schließlich im Jahr 2020 gelandet ist”, lacht er.
Die erste Single Choices“ verdeutlicht den Sound des Albums und Bernhofts neue Richtung und gibt auch einen guten Eindruck von dem, was er heute ausdrücken will.
‘Wie ein Hecht, der den richtigen Moment im Schilf abwartet’ ist Bernhofts eigene Beschreibung seiner Karriere, die sich Schritt für Schritt durch ein musikalisches Leben entwickelt hat. Jetzt ist die Zeit reif für den großen Fang!